Kommissarin Katja Kampp

In dieser Ratekrimi-Serie bekommt der Leser alle nötigen Informationen, um den Fall selbst zu lösen – vorausgesetzt, er ist aufmerksam genug und setzt alle Puzzleteile richtig zusammen.

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Feuer ohne Wasser


Kommissarin Katja Kampp schaut aus Hubert Beckers verglastem Büro hinunter in die Produktionshalle der Firma „Becker-Elektronik“. Auf dem Hallenboden steht noch zentimeterhoch das Löschwasser. Die Maschinen, mit denen hochempfindliche elektronische Bauteile hergestellt werden, sind feucht. Hinten in der Halle untersucht Katjas Kollege Krüger den großen Schaltkasten mit der Steuerung der Sprinkleranlage, die letzte Nacht die Halle unter Wasser gesetzt hat.
„Eine Million Euro Sachschaden“, stöhnt Hubert Becker. „Das da unten ist eine Fertigungsstraße für ein neues Autoradiomodell, das wir für einen großen Hersteller produzieren sollten.“
Doch weil in der letzten Nacht aus einem Grund, den Katjas Kollege gerade herauszufinden versucht, die Sprinkleranlage angesprungen ist, ohne dass es gebrannt hätte, sind alle Maschinen durch das Wasser unbrauchbar geworden.
„Ich habe die Maschinen gerade erst angeschafft, weil wir den Auftrag für 10.000 Autoradios bekommen hatten“, sagt Becker.
Katja Kampp hebt die Augenbrauen. „Stand nicht letzte Woche in der Zeitung, dass Sie in Lieferschwierigkeiten geraten sind und die Autofirma den Auftrag deswegen storniert und an einen Ihrer Konkurrenten vergeben hat?“
„Sicher“, gibt Becker zu. „Aber ich hätte schon einen anderen Kunden für die Radios gefunden.“ Er funkelt Katja an. „Finden Sie lieber heraus, warum um vier Uhr nachts diese verdammte Sprinkleranlage ohne jeden Grund angesprungen ist.“
„Dass da jemand manipuliert hat, scheint sicher“, sagt Katja Kampp. „Ihr Nachtwächter hat letzte Nacht gegen fünf Uhr die Feuerwehr verständigt, als er bei seiner Runde bemerkte, dass die Anlage lief. Um Mitternacht, das beschwört er, sei noch alles in Ordnung gewesen.“ Hubert Becker runzelt die Stirn. „Bestimmt ein Racheakt eines entlassenen Arbeiters“, vermutet er. „Nachdem der Auftrag geplatzt war, habe ich zwei Dutzend Männer freisetzen müssen.“
„Sind die Maschinen wenigstens versichert?“, fragt Katja Kampp.
„Natürlich“, nickt Becker. „Mit der Versicherungssumme werde ich die Kredite zurückzahlen können, die ich für die Anschaffung aufgenommen habe.“
Unten schließt Katjas Assistent Krüger die Untersuchung der Sprinkleranlage ab. Wenig später betritt er Beckers Büro. „Die Relais der Sprinkleranlage waren kurzgeschlossen und an eine Zeituhr gekoppelt, die die Anlage Punkt vier Uhr in Betrieb setzte“, erklärt er.
„Ich sage doch: Sabotage!“, dröhnt Becker. „Sie sollten sich alle entlassenen Arbeiter vornehmen, Frau Kommissarin!“
„Irrtum“, meint Katja Kampp. „Ich nehme mir Sie vor, Herr Becker, denn Sie haben die Sprinkleranlage selbst manipuliert, damit Ihre neue und nutzlose Fertigungsanlage durch das Wasser zerstört wird und Sie sich mit der Versicherungssumme sanieren können.“
Becker fährt hoch. „Das muss ich mir nicht bieten lassen!“
„Doch“, sagt Katja Kampp. „Sagten Sie nicht eben, dass die Anlage Punkt vier Uhr nachts aktiviert wurde? Woher kannten Sie denn den genauen Zeitpunkt, wo dieser doch eben erst von meinem Kollegen unten ermittelt wurde?“
Becker braucht ein paar Sekunden, um sich zu fassen. „Hören Sie“, sagt er dann leise. „Das kann doch alles unter uns bleiben, Frau Kommissarin. Ich meine – die Versicherung bezahlt doch alles. Da bleibt bestimmt auch etwas für Sie und Ihren Kollegen übrig.“
Katja wechselt einen Blick mit Krüger. „Was halten Sie davon?“
„Sehr viel“, sagt Krüger. „Damit verschaffen wir dem feinen Herrn nicht nur eine Anklage wegen Brandstiftung und versuchtem Versicherungsbetrug, sondern auch noch wegen versuchter Beamtenbestechung!“
Katja lächelt Becker an. „Sehen Sie – so kommt eins zum anderen!

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